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Grundschule Bramsche/Lingen




Das ist sie, die arme „Aa“, der das Leben versalzen wird

Projekt „Klasse! Kids“ der Neuen Osnabrücker Zeitung

vorgestellt von der Schülerredaktion unserer Schulzeitung „Das sind wir“
der Grundschule Lingen-Bramsche


Und hier stellen wir unser Projekt vor:

In einer großen Aktion bot unsere Zeitung (Lingener Tagespost, Lokalausgabe der Neuen Osnabrücker Zeitung) allen Grundschulen an 2 Wochen kostenlos für alle Schüler/innen die Tagespost für den Unterricht geliefert zu bekommen. Wir sollten alle den Umgang mit der Zeitung kennen lernen. Als unsere Lehrpersonen uns von dem Angebot erzählten, waren wir darauf neugierig. Gleichzeitig sollten wir als Umweltreporter für die Lingener Tagespost tätig werden.

So wurden wir Umweltreporter...

Als wir im Sachunterricht erfuhren, dass unser Fluss, die Aa, stark verschmutzt ist, wollten wir mehr wissen. Wir haben erfahren, dass täglich große Mengen Salz aus dem Ibbenbürener Kohlebergbau durch „unsere Aa“ (siehe Karten 1- 3) zur Nordsee transportiert werden. Nun haben wir geforscht. Ganz in der Nähe vom Haus von Kerstin Klus (4b) (siehe Bild) in Wesel fließt die Speller Aa in die Große Aa.

Kerstin hat mit ihrem Bruder aus den beiden Flüssen oberhalb des Zusammenflusses je eine Sprudelflasche Wasserproben entnommen.

Das war recht gefährlich, weil jetzt im Winter das Ufer glitschig ist. In der Schule haben wir das Wasser jeweils in zwei Töpfen zum Kochen gebracht und alles verdampfen lassen. Booh!
Im Topf der Speller Aa hatte sich unten reichlich weißes Kristall abgesetzt, im Wasser der Großen Aa nicht (siehe Bilder). Wir haben vorsichtig mit dem Finger probiert, was dieses weißgraue „Zeug“ wohl sein konnte. Es schmeckte sehr salzig ... da wollten wir mehr wissen!

Wir haben deshalb in unserer Redaktionskonferenz einen Brief an den Umweltminister in Niedersachsen (hier wohnen wir), siehe Anlage 1, den Minister für Umwelt in Nordrhein-Westfalen (von dort kommt ja das Salzwasser), siehe Anlage 2, und an Herrn Brickwedde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, siehe Anlage 3, geschrieben.

Am 07. November erhielten wir einen Brief von Hans-Heinrich Sander, der in Niedersachsen Umweltminister ist (Anl. 4). Den Brief konnten wir gut verstehen, wir haben ihn in unseren Klassen im Sachunterricht besprochen.

Wir waren über folgende Zahlen besonders erschrocken:
- im Abwasser in Ibbenbüren sind in einem Liter Wasser 60 Gramm Chlorid
- jeden Tag werden von dort 40.000.000 Liter Grubenwasser in unsere Aa eingeleitet
- also fließen durch diesen kleine Fluss in unserem Dorf Tag für Tag seit Jahren 500 bis 700 t Chlorid

Der Umweltminister hat uns übrigens zugesagt, unserer Schülerzeitung ein Telefoninterview zu geben.

Wir wollen uns in unserer letzten Redaktionssitzung vor den Osterferien (am 30.03.) passende Fragen für das Interview überlegen.

Da eine Antwort aus dem Umweltministerium in NRW nicht eintraf, haben wir zweimal dorthin gemailt. Am Tag des Projektbeginns kam dann doch ein Brief, der auch interessante Informationen für uns brachte (Anl. 5).

Auch von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt bekamen wir eine Antwort auf unseren Brief (Anl. 6).

Nun waren wir weiter als Umweltreporter unterwegs:

Wir hatten von unserem Lehrer erfahren, dass Herr Schütte (hier auf dem Bild) 1958 an zwei Stellen in Gleesen jeweils etwa 30 Pappeln gepflanzt hat: einmal direkt am Ufer der Aa und dann fast ebenso viele Pappeln etwa 200 m von der Aa entfernt auf einem anderen Grundstück. Wir hatten von dem Bauern die Erlaubnis, auf beiden Grundstücken je eine Pappel zu fällen, um die Baumscheiben genauer zu beobachten und die Jahresringe abzuzählen. Herr Reulmann, der Vater von Peter, hat uns beide Bäume gefällt (siehe Bild).

Wir waren erstaunt, dass die Pappel direkt an der Aa viel dünner war. Als wir dann auch noch sehen konnten, dass die „Aa-Pappel“ innen ganz faul war, waren wir natürlich noch erstaunter. Wir waren aber auch aufgeschreckt... Das war wohl eindeutig der hohe Salzgehalt der Aa. Da eine Pappel so lange Wurzeln hat, wie sie hoch ist, hat die „Aa“-Pappel eindeutig zu viel Salz „geschluckt“.

Wir haben im Sachunterricht die Jahresringe gezählt und tatsächlich festgestellt, dass beide Bäume 47 Jahre als sind (siehe Foto). Peter und Maike haben noch ein Interview mit Josef Schütte geführt.

Am Freitag (02.12.) war die Biologin Frau Abée vom Wasserwirtschaftsamt aus Meppen bei uns. Sie hatte zwei Eimer Aa-Wasser dabei, in einem Eimer das Wasser aus der Speller Aa, im anderen Eimer das Wasser aus der Großen Aa bei Lünne.

Wir konnten etwas Tolles beobachten. Im Speller-Aa-Wasser waren ganz viele gleiche Tierchen. Frau Abée erklärte uns, dass das amerikanische Bachflohkrebse waren, die das

Salzwasser vertragen und sich so gewaltig vermehrt haben. Sie kommen hier eigentlich gar nicht vor.

Im normalen Flusswasser der Großen Aa bei Lünne konnten wir Wasserkäfer, „deutsche“ Bachflohkrebse, Wassermilben, Schnecken, Egel und Würmer entdecken.

Patrick Juraschitz fragte Frau Abée, ob auch bei Pflanzen solch ein Unterschied da sei. Die Biologin erklärte, dass das sehr salzige Wasser der Speller Aa auch fast alle früheren Pflanzen verdrängt hat. Das wollen wir im Frühjahr genauer untersuchen.

Frau Abée hat unseren Reportern noch einiges mehr in einem Interview erzählt:

Am 2. Dezember hat uns Frau Abèe vom Wasserwirtschaftsamt Meppen besucht. Wir, die Umweltreporter, haben sie um ein Gespräch gebeten.

Maike: „Guten Tag Frau Abèe. Wir haben sie heute als „Fachfrau“ eingeladen, damit sie uns etwas über den Zustand der beiden Flüsse / Bäche Speller Aa und Große Aa erzählen. Doch zunächst würden wir gerne von ihnen mehr über ihren Beruf erfahren. Welche Aufgaben haben sie als Biologien am Wasserwirtschaftsamt in Meppen?“

Frau Abée: „Als Gewässerkundlicher Landesdienst ermitteln meine Kollegen vom Wasserwirtschaftsamt und ich an rund 650 Messstellen die chemisch-physikalische und biologisch-ökologische Beschaffenheit sowie die Wasserstände der Gewässer – einschließlich Hochwasserwarndienst. Wir untersuchen Wasserproben mit hochempfindlichen Geräten in unserem Wasserlabor und wir überwachen industrielle Abwasseranlagen und deren Einleitung in die Flüsse. Zu unserer Arbeit gehört natürlich auch die Veröffentlichung von Berichten über Flüsse, Seen und Grundwasser. Zudem sind wir Ansprechpartner, wenn es um die Finanzierung von Maßnahmen des technischen Gewässerschutzes geht. Wir beraten auch die Land- und Forstwirtschaft in Wassergewinnungsgebieten und schließen mit ihnen freiwillige Vereinbarungen ab. Gemeinsam mit den Nutzern fördern wir dadurch weitflächig den Grundwasserschutz.
Das hört sich sicherlich kompliziert an. Einfach gesagt bedeutet das, dass wir Gewässer – also Flüsse Bäche und Seen – anhand von Wasserproben untersuchen. Wir überprüfen die Belastung durch Schadstoffe und Verunreinigungen um das Ökosystem Fluss zu erhalten. Dabei werden wir oftmals von Forstämtern, Landwirten und der Industrie um Unterstützung und Hilfe gebeten.“

Maike: „Das hört sich sehr interessant an. Aber nun zu unserem Problem. Wir haben im Rahmen unseres Projektes festgestellt, dass die Speller Aa sehr viel Salz enthält.“


Frau Abée bei ihrer Arbeit

Frau Abèe: „Genau. Das Salz kommt aus dem Steinkohlkraftwerk in Ibbenbüren. Tief in der Erde befinden sich salzhaltige Grubenabwässer.
Dieses salzige Wasser gelangt in die Speller Aa und das hat für die Tiere und Pflanzen, die dort leben große Auswirkungen. Meine Kollegin und ich waren heute morgen bei der Speller Aa und der Großen Aa und haben dort mit einem Käscher „gefischt“. Die Tiere und die Wasserproben haben wir jeweils in ein Becken gegeben und haben es euch mitgebracht. Denn anhand der Tiere und der Pflanzen die in einem Fluss leben kann man erkennen, ob ein Bach bzw. Fluss gesund ist oder ob er Schwierigkeiten hat.“

Peter: „Welche Tiere und Pflanzen erwartet man in einem gesunden Bach oder Fluss?“

Frau Abèe: (zeigt Bilder) „In einem „normalen“ oder gesunden Bach erwartet man natürlich Fisch z.B. die Kobbe der Fisch des Jahres 2005, den es auch in der Großen Aa gibt, kleine Bachflohkrebse, Sprudelwürmer, Muscheln, Schnecken, Egel, Kaulquappen und Frösche, Wasserkäfer, Libellenlarven, Köcherfliegenlarven, Eintagsfliegenlarven, Wasserasseln und noch viele weitere Tiere. In einem gesunden Fluss erwartet man also eine Vielzahl von Tieren.
Ebenso erwartet man in einem „normalen“ Fluss oder Bach viele verschiedene Wasserpflanzen. Die Wasserpflanzen sind ganz wichtig für die im Wasser lebenden Tiere, damit sie einen Unterschlupf finden, geschützt sind oder laichen können.“

Alexandra: „Und welche Tiere und Pflanzen gibt es in der Speller und der Großen Aa?“

Frau Abée: „Am besten kann ich euch dieses anhand der Wasserproben – die ich euch heute mitgebracht habe – erklären. Beobachtet die Wasserproben und berichtet, was ihr dort sehen könnt.“

Alle Schüler (beobachten die Wasserprobe der Großen Aa): „Eine Wassermilbe, Wasserkäfer, Bachflohkrebse (deutsche), eine Wasserschnecke, Würmer, ein Egel, eine Larve.“

Alle Schüler (beobachtet die Wasserprobe der Speller Aa): „Hier gibt es viel mehr Tierchen. Aber nur eine Art. Um welche Tiere handelt es sich?“

Frau Abée: „Das sind Bachflohkrebse. Aber es sind andere Bachflohkrebs als die, die ihr in der Großen Aa beobachtet habt. Diese sogenannten „amerikanischen Bachflohkrebse“ sind gar keine Tiere die in Deutschland heimisch sind. Sie kommen ursprünglich aus Amerika und leben im Brackwasser, also dort wo das Wasser schon sehr salzig ist.
Könnt ihr mir nun – nachdem ihr beide Wasserproben beobachtet habt – erklären, worin der Unterschied zwischen diesen beiden Flüssen besteht?“

Alexandra: „In der Großen Aa gibt es viele verschiedene Tierchen. Zwar gibt es in der Speller Aa auch viele Tierchen, aber im Unterschied zur Großen Aa gibt es dort nur eine Art, nämlich den amerikanischen Bachflohkrebs.“

Frau Abée: „Genau. Ähnlich ist es mit den Pflanzen in der Speller Aa. So gibt es in der Großen Aa eine Vielzahl unterschiedlicher Wasserpflanzen und in der Speller Aa gibt es nur einen Typ Wasserpflanze, das ist das Leichtkraut.
Daran kann man erkennen, dass etwas mit der Speller Aa nicht in Ordnung ist. Irgendetwas befindet sich in der Speller Aa, was den Tieren und Pflanzen nicht passt.

Peter: „Und das ist das Salz, das sich in die Speller Aa befindet!“

Frau Abée: „Ja, die Tiere und Pflanzen, die in gesunden Flüssen leben, vertragen das viele Salz nicht und sterben sogar. Der amerikanische Bachflohkrebs hingegen fühlt sich sehr wohl in salzigem Wasser und nimmt dort den ganzen Platz ein. Das ist in gewisser Weise auch gut so, denn ansonsten würden die Fisch, die in diesem Bach überleben gar keine Nahrung mehr finden.“

Peter: „Welche Fische vertragen das salzige Wasser in der Speller Aa?“

Frau Abée: „Das sind z.B. der Aal, der Zander und der Barsch. Diese Fische haben einen Bezug zum Meer und können das Salz in der Speller Aa recht gut vertragen. Andere Fische sind empfindlicher, vertragen das Salz nicht und sind deshalb in der Speller Aa ausgestorben.

Alle Schüler: Wir bedanken uns bei ihnen, dass sie sich für uns und dieses Gespräch Zeit genommen haben. Auf Wiedersehen.